Logpy-AgentOne/README.md

15 KiB

Logpy:AgentOne

v1.0.0 — siehe CHANGELOG.md

Praxis-Telefon-Agent — nimmt Anrufe (Sprachnachrichten) einer Hausarztpraxis entgegen, transkribiert sie lokal, kategorisiert das Anliegen und legt das Ergebnis strukturiert ab (lokal und optional in Nextcloud).

Vollständig on-prem — keine Patientendaten verlassen den Rechner.

Hinweis: Alle Namen, Rufnummern und Anliegen in diesem Repository sind erfunden — auch im Screenshot und in der Beispielkonfiguration. „Praxis Musterhausen" ist ein Platzhalter. Echte Zugangsdaten und Anrufdaten liegen außerhalb des Repositorys (.env, ablage/, telefon/).

Wer das Projekt auf einem Linux einrichten möchte, eine Kleine Hilfe: docs/MITGABE.md sammelt die Erfahrungswerte, die in dieser Anleitung nicht stehen.

Stufen

  1. Die Pipe (fertig): Audio → Transkript → Kategorie → Ablage.
  2. Telefonie (steht): FreeSWITCH nimmt über den Plusnet-Trunk an, spielt die Ansage, nimmt auf und legt die Datei im Eingang der Pipe ab.
  3. Feinschliff (teilweise): Löschfristen , Notfall-Alarm , Verschlüsselung at rest (Betreiber-Pflicht: FileVault, siehe Datenschutz), Monitoring/Alerting bei Diensteausfall (pipe/monitor.py, siehe unten).

Bausteine

Datei Aufgabe
pipe/transcribe.py Spracherkennung (whisper.cpp / faster-whisper), lokal
pipe/categorize.py Kategorisierung via Ollama/Qwen, erzwungenes JSON-Schema
pipe/store.py Ablage lokal + Nextcloud (WebDAV, steckbar)
pipe/process_call.py Orchestrator / CLI
pipe/config.py Konfiguration aus .env
pipe/watch.py Beobachtet den Eingang und schiebt Aufnahmen durch die Pipe
pipe/server.py Leitstand: Live-Ansicht mit Status, Anrufen und Verlauf
pipe/dienste.py Zustand der beteiligten Dienste (Telefon, Verarbeitung, Spracherkennung, Nextcloud) — geteilt von Leitstand und Störungswache
pipe/monitor.py Störungswache: alarmiert lokal (macOS-Benachrichtigung + Ton), wenn ein Dienst ausfällt
pipe/alarm.py Verschickt den lokalen macOS-Alarm (osascript)
pipe/protokoll.py Ereignisprotokoll (JSONL) für den Leitstand
pipe/audit.py Unveränderliches Audit-Log (append-only, siehe unten)
pipe/loeschen.py Löscht erledigte Anrufe nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist
pipe/bewertung.py 👍/👎-Bewertung pro Anruf (Leitstand)
pipe/export.py Exportiert bewertete Anrufe als JSONL-Trainingsdaten
prompts/categorize_de.txt Kategorisierungs-Prompt (deutsch, mehrsprachig-tauglich)
telefon/ Ansage, FreeSWITCH-Vorlagen, Start- und Einrichtungsskripte

Kategorien

termin · rezept · ueberweisung · befund · verwaltung · beschwerden · notfall · rueckruf · sonstiges Dringlichkeit: niedrig · normal · hoch · notfall

Einrichtung

Getestet auf macOS (Apple Silicon). Rechnen Sie mit ~10 GB für Modelle.

1. Programme

brew install ffmpeg whisper-cpp freeswitch
brew install ollama && ollama serve &      # oder Ollama.app starten

2. Sprachmodell — ordnet die Anliegen ein:

ollama pull qwen3:8b                       # ~5,2 GB, reines Textmodell (kein Vision-Ballast)

Auf Rechnern mit 16 GB Arbeitsspeicher passt kein größeres Modell daneben, solange die Telefonie läuft.

3. Spracherkennung — whisper.cpp braucht ein ggml-Modell:

mkdir -p ~/whisper-models && cd ~/whisper-models
curl -LO https://huggingface.co/ggerganov/whisper.cpp/resolve/main/ggml-large-v3-turbo.bin

4. Python-Pakete und Ansage-Stimme

pip3 install -r requirements.txt
# Piper lädt seine Stimmen über HTTPS - ohne CA-Bundle schlägt das fehl:
export SSL_CERT_FILE=$(python3 -m certifi)
python3 -m piper.download_voices --download-dir ~/piper-voices \
        de_DE-thorsten_emotional-medium

5. Konfiguration

cp .env.example .env      # SIP-Zugang, Nextcloud, Leitstand-Passwort eintragen
./telefon/ansage_bauen.sh
./telefon/freeswitch/einrichten.sh

6. Starten

./telefon/starten.sh      # prüft die Voraussetzungen und startet alles

Stolpersteine

  • FreeSWITCH liest aus dem Cellar. starten.sh übergibt deshalb -conf auf /opt/homebrew/etc/freeswitch; sonst landen Trunk und Dialplan in einem Verzeichnis, das jedes Homebrew-Upgrade überschreibt.
  • Event-Socket-Port. fs_cli erwartet 8021. Ist der belegt, in autoload_configs/event_socket.conf.xml einen freien Port eintragen und FS_PORT in starten.sh anpassen.
  • Rotierende Provider-Adressen. Löst der SIP-Hostname auf mehrere IPs auf, bricht die Registrierung ständig ab: die Anmeldung landet auf einem anderen Server als die Anfrage. SIP_PROXY auf einen Host setzen, der auf genau eine IP zeigt.
  • Der Leitstand im Netz verlangt LEITSTAND_PASS, sonst startet er nicht.

Nutzung

cp .env.example .env        # bei Bedarf anpassen
python3 -m pipe.process_call test/rezept.wav --nummer 021031234567

Ergebnis unter ablage/JJJJ-MM-TT/HH-MM-SS_<nummer>/:

  • meta.json — strukturierte Felder (maschinenlesbar)
  • zusammenfassung.md — für Menschen
  • aufnahme.<ext> — Audiokopie

Telefonie (Stufe 2)

FreeSWITCH registriert sich mit dem SIP-Konto der Praxis beim Provider, nimmt eingehende Anrufe an, spielt die Ansage und nimmt auf. Die Aufnahme landet unter telefon/eingang/JJJJMMTT-HHMMSS_<nummer>.wav; pipe.watch erkennt sie, schiebt sie durch die Pipe und räumt sie nach telefon/verarbeitet/ weg.

./telefon/ansage_bauen.sh              # Ansage aus telefon/ansage.txt erzeugen
./telefon/freeswitch/einrichten.sh     # Trunk + Dialplan in FreeSWITCH eintragen
./telefon/starten.sh                   # startet FreeSWITCH, Verarbeitung, Leitstand

Danach läuft der Leitstand unter http://127.0.0.1:8088 — das Arbeitsbrett der Praxis, unabhängig von Nextcloud:

  • Ampeln für Telefon, Verarbeitung, Spracherkennung und Nextcloud
  • die Anrufe als Board mit den Spalten Eingang · In Bearbeitung · Rückfragen · Erledigt, verschiebbar per Ziehen oder über die Knöpfe auf der Karte
  • je Karte Kategorie, Anrufer, Dringlichkeit als Farbe, Anliegen, Stichworte, Abspielknopf für die Aufnahme und das Transkript zum Aufklappen
  • die Rufnummer ist anklickbar (tel:) und startet den Rückruf in der Telefon-App des Rechners; liegt die Karte noch im Eingang, wandert sie dabei nach In Bearbeitung
  • darunter der laufende Verlauf — vom Klingeln über die Erkennung bis zur Ablage
  • Sicher-Modus (🙈-Knopf oben links): blurrt die Rufnummern auf allen Karten, für Screenshots/Bildschirmaufnahmen. Merkt sich den Zustand pro Browser (localStorage), übersteht also einen Reload.
  • Notfall-Alarm: liegt eine Karte mit Dringlichkeit notfall nicht im letzten Stapel (Erledigt), pulsiert ihr Rahmen, ein rotes Banner erscheint und alle 60s ertönt ein Doppel-Piepton (Web Audio API, keine Datei nötig) — bis die Karte nach Erledigt verschoben wird. Browser blocken Autoplay-Audio ohne vorherige Interaktion: ein Klick irgendwo auf die Seite schaltet den Ton frei.
  • Notfall-Sicherheitsnetz (categorize.py): bei der Notfall-Erkennung verlässt sich das System nicht allein auf das LLM — ein deterministischer Check gegen die im Prompt selbst genannten Symptome (Atemnot, Brustschmerz, Bewusstlosigkeit, starke Blutung) eskaliert nötigenfalls hart im Code auf notfall, unabhängig vom Modell. Grund: qwen3:8b stufte „starke Brustschmerzen … kriege kaum Luft" reproduzierbar (3/3 Testläufe) nur als „hoch" ein, obwohl es die Symptome selbst als Stichworte erkannte. Eskaliert nur nach oben, nie nach unten.

Standardmäßig hört der Leitstand nur auf 127.0.0.1. Soll er von anderen Rechnern der Praxis erreichbar sein, LEITSTAND_HOST=0.0.0.0 setzen — dann ist LEITSTAND_PASS Pflicht, sonst startet er nicht: die Seiten zeigen Transkripte und Aufnahmen von Patienten, das darf nicht offen im Netz stehen. Der Schutz gilt auch für die Schnittstellen und die Audiodateien.

Wichtig zu 0.0.0.0: das bindet auf alle Netzwerk-Interfaces des Rechners — nicht nur auf ein VPN/Tailscale. Läuft der Rechner zusätzlich in einem normalen WLAN/LAN, ist der Leitstand (passwortgeschützt) auch dort erreichbar, nicht nur im VPN. Wer das nicht will, bindet gezielt auf die VPN-IP statt auf 0.0.0.0 (z. B. LEITSTAND_HOST=100.x.x.x bei Tailscale) oder blockt den Port per Firewall-Regel für alle anderen Interfaces.

Die Seite aktualisiert sich alle drei Sekunden; während man eine Karte zieht, pausiert das. Der Bearbeitungsstand liegt als stapel.json im jeweiligen Anrufordner, also lokal — die Übertragung nach Nextcloud-Deck kommt später.

Der SIP-Zugang steht in der .env (SIP_USER, SIP_DOMAIN, SIP_PASS). Das Einrichtungsskript trägt das Passwort in die FreeSWITCH-Konfiguration ein und setzt deren Rechte auf 600 — im Git liegen nur Vorlagen mit Platzhaltern.

Text ändern: telefon/ansage.txt bearbeiten, ansage_bauen.sh erneut ausführen. Für den Praxisbetrieb muss die Ansage den Notruf 112 nennen und auf die Aufzeichnung hinweisen, bevor der Signalton kommt — beides ist bei einer Arztpraxis Pflicht, siehe „Offener Punkt" unter Datenschutz weiter unten.

Gesprochen wird lokal, wahlweise mit Piper (natürlicher, Modelle unter ~/piper-voices) oder dem macOS-say als Rückfall. Die Stimme de_DE-thorsten_emotional-medium kennt acht Sprechweisen, wählbar über ANSAGE_EMOTION: 0 amused · 1 angry · 2 disgusted · 3 drunk · 4 neutral · 5 sleepy · 6 surprised · 7 whisper.

Nextcloud aktivieren

NEXTCLOUD_URL, NEXTCLOUD_USER, NEXTCLOUD_PASS in .env setzen (App-Passwort, nicht das Login-Passwort). Dann lädt jeder Anruf zusätzlich nach NEXTCLOUD_ORDNER/JJJJ-MM-TT/…. Fehlt die Konfiguration, bleibt alles lokal.

Deck-Board

Einschalten mit NEXTCLOUD_DECK=1 in der .env — ohne diesen Schalter legt die Pipe kein Board an, auch wenn DECK_STAPEL und DECK_TEILEN gesetzt sind.

Jeder Anruf bekommt eine Karte auf dem Board Anrufe. Die Stapel bilden den Arbeitsablauf ab — Eingang · In Bearbeitung · Rückfragen · Erledigt, anpassbar über DECK_STAPEL. Neue Anrufe landen immer im ersten Stapel; die Praxis zieht sie weiter. Kategorie und Anrufer stehen im Kartentitel (17:52 · Rezept · Klaus Allofs), die Dringlichkeit als farbiges Label. Das Board gehört dem Konto, mit dem die Pipe arbeitet — ohne Freigabe legt sie zwar Karten an, die Praxis sieht aber ein leeres Deck. Deshalb DECK_TEILEN in der .env auf die Nextcloud-Nutzer setzen (kommagetrennt), die es sehen sollen; die Freigabe wird bei jedem Anruf sichergestellt.

Aufbewahrungsfrist & Audit-Log

LOESCHFRIST_TAGE in der .env (0 = aus) legt fest, nach wie vielen Tagen ein erledigter Anruf (Aufnahme + Transkript, kompletter Ordner) gelöscht wird — lokal und, falls hochgeladen, auch bei Nextcloud. Nur Anrufe im letzten Stapel (Erledigt) werden angefasst; alles andere bleibt unangetastet, egal wie alt — niemand soll einen liegen gebliebenen Anruf verlieren, bevor ihn jemand gesehen hat.

Kein Cron/launchd nötig: pipe.watch (läuft ohnehin dauerhaft, siehe telefon/starten.sh) prüft das alle 24h selbst mit. Manueller Aufruf für Tests:

python3 -m pipe.loeschen --pruefen    # nur anzeigen, was fällig wäre
python3 -m pipe.loeschen              # tatsächlich löschen

Jede Löschung (und jedes andere Pipe-Ereignis) landet zusätzlich unveränderlich in telefon/audit.log — anders als verlauf.log (fürs Leitstand-UI, wird auf 2000 Zeilen gekürzt) wird diese Datei nie überschrieben, nur angehängt, und zusätzlich per macOS chflags uappnd gegen nachträgliches Ändern/Kürzen abgesichert (auch der eigene Prozess kommt danach nur noch per Anhängen rein).

Störungswache (Monitoring/Alerting)

Die Dienste-Ampel im Leitstand (Telefon, Verarbeitung, Spracherkennung, Nextcloud) zeigt den Zustand nur an, wenn gerade jemand die Seite offen hat. pipe/monitor.py läuft deshalb als eigener Prozess (von telefon/starten.sh mitgestartet, Log telefon/monitor.log), fragt dieselbe Ampel (pipe/dienste.py) alle MONITOR_TAKT_S Sekunden (Default 60) ab und alarmiert bei einer echten Störung (schlecht/aus — nicht bei unklar, z. B. Nextcloud unkonfiguriert) lokal per macOS-Systembenachrichtigung + Ton (pipe/alarm.py, osascript). Solange die Störung anhält, wird alle MONITOR_WIEDERHOLUNG_MIN Minuten (Default 15) erneut erinnert; bei Wiederherstellung einmalig „wieder ok".

Bewusst ein eigener, dritter Prozess statt in pipe.watch oder pipe.server eingebaut: fällt einer der beiden aus, kann die Wache das trotzdem noch melden. Wirkt nur lokal auf diesem Mac — für Alarme aufs Handy (z. B. per Push/E-Mail) pipe/alarm.py erweitern.

python3 -m pipe.monitor            # dauerhaft beobachten (normalerweise per starten.sh)
python3 -m pipe.monitor --einmal   # einmal prüfen, für Tests

Bewertung & Trainingsdaten-Export

Jede Karte im Leitstand hat 👍/👎 — war die Kategorisierung richtig? Bei 👎 optional die richtige Kategorie/Dringlichkeit dazu angeben. Landet als bewertung.json im jeweiligen Anruf-Ordner.

📤 Bewertungen exportieren" (oder automatisch beim „Tag archivieren") schreibt alle aktuell bewerteten Anrufe als JSONL nach training/ — ein Datensatz pro Anruf mit Transkript, Modell-Ausgabe, verwendetem Backend/Modell, Bewertung und ggf. Korrektur. Gedacht für externe Auswertung (z. B. um Kategorisierungs-Fehler systematisch zu finden statt zufällig, siehe das Notfall-Sicherheitsnetz oben). Der Export-Knopf verlangt eine Bestätigung, weil dabei Transkripte und Namen den Rechner verlassen — bewusst kein stiller Automatismus. training/ ist gitignored.

Datenschutz (DSGVO)

Gesundheitsdaten — Pflichten für den Produktivbetrieb (Stufe 2):

  • Aufnahme-Ansage am Gesprächsanfang.
  • Notfall-Ansage zuerst (112 / 116117); der Agent gibt keine medizinischen Ratschläge.
  • Verschlüsselung at rest, Zugriffskontrolle.
  • Löschfristen — siehe oben (LOESCHFRIST_TAGE).
  • Verarbeitung lokal (Whisper + Qwen) — kein Cloud-Dienst im Datenpfad.

Offener Punkt: Die aktuelle telefon/ansage.txt erfüllt die ersten beiden Punkte noch nicht (kein Notfall-Hinweis, keine Aufnahme-Einwilligung) — Text anpassen und ansage_bauen.sh neu laufen lassen, bevor die Anlage im echten Praxisbetrieb ans Netz geht.

Verschlüsselung at rest — Pflicht des Betreibers: Die Pipe legt Aufnahmen, Transkripte und Metadaten (ablage/, telefon/, training/) unverschlüsselt auf der Platte ab und verlässt sich auf Festplattenverschlüsselung durch das Betriebssystem. FileVault muss auf jedem Rechner aktiviert sein, der diese Pipe betreibt (Systemeinstellungen → Datenschutz & Sicherheit → FileVault, oder sudo fdesetup enable) — den Recovery-Key sicher verwahren (Passwort- Tresor), da er das einzige Mittel bei vergessenem Login-Passwort ist. Ist FileVault auf einem Zielsystem nicht aktivierbar oder nicht zulässig (z. B. Mehrbenutzer-Rechner, andere Auflagen), reicht das nicht aus — dann braucht die App eine eigene Verschlüsselung der Ablage, die es aktuell nicht gibt. Das Aktivieren/Prüfen von FileVault ist Aufgabe des Betreibers vor Ort, nicht Teil dieses Repos.